Der hauptberufliche kirchenmusikalische Dienst

Zu den elementaren Lebensäußerungen der Kirche gehört die Kirchenmusik. Sie schöpft aus einer reichen Tradition und ist offen für die musikalische Ausdrucksvielfalt unserer Zeit. Um die Kirchengemeinden und Gemeindegruppen zum Singen und Musizieren anzuleiten bedarf es gut ausgebildeter haupt- und nebenberuf­lich tätiger Kirchenmusikerinnen und Kirchen­musiker.

Über 95% der insgesamt rund 3.900 Chorlei­terinnen und Chorleiter sowie der Organistin­nen und Organisten in der württembergischen Landeskirche sind nebenberuflich tätige Kir­chenmusikerinnen, die ihre Qualifikation in der Regel über die Aus- und Fortbildungsarbeit der Bezirkskantorinnen und Bezirkskantoren er­fahren haben.

Nur 4% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Diplom-Kirchenmusikerinnen oder Diplom-Kirchenmusiker.

Sie haben ein Studium der Fachrichtung „Evan­gelische Kirchenmusik“ an einer Staatlichen Musikhochschule oder einer Hochschule für Kirchenmusik in kirchlicher Trägerschaft absol­viert.

Im Bereich der württembergischen Landeskir­che sind dies

Die Studienabschlüsse „B-Diplom“ (nach einem mindestens achtsemestrigen Studium) und „A-Diplom“ (nach einem insgesamt mindestens zwölfsemestrigen Studium) berechtigen zu­sammen mit einem einjährigen „Praktikum im kirchenmusikalischen Dienst“ zur Übernahme einer Diplom-Kirchenmusikstelle als Gemeinde­kantor (G1-Stelle, G2-Stelle und G3-Stelle) oder als Bezirkskantor (BK1-Stelle und BK2-Stelle).

Die früheren B- und A-Stellen werden seit der Reform der Stellenstruktur des Jahres 2004 qualitativ nach einem Punktesystem eingestuft, das die Anforderungen und die übertragenen Dienstaufgaben berücksichtigt. Anstellungs­fähig sind alle Diplom-Kirchenmusikerinnen und -Kirchenmusiker, die das einjährige „Prakti­kum im kirchenmusikalischen Dienst“ unserer Landeskirche absolviert haben (ersatzweise 5 Jahre hauptberufliche Tätigkeit in einer ande­ren Landeskirche).

Die Quantität eines Dienstauftrags errechnet sich nach den „Richtlinien zur Bewertung der Dienstaufträge“. So werden z.B. der Organis­tendienst bei Gottesdiensten und Kasualien (bis zu 160 Dienste im Jahr) mit 20%, der Kanto­rendienst mit einer wöchentlichen Probe von mindestens 90 Minuten ebenfalls mit 20% und die Durchführung von sechs kirchenmusikali­schen Veranstaltungen im Jahr (davon min­destens drei eigene) mit 10% bewertet. Die Bezirksaufgaben werden in der Regel mit 40% bewertet.

Nicht alle Diplom-Kirchenmusikstellen sind zu 100% dotiert. Dies bedeutet, dass z. B. bei einer 60%-Stelle der Organistendienst (bis zu 160 Dienste im Jahr) mit 20%, der Kantoren­dienst (ein Chor, der wöchentlich mindestens 90 Minuten lang probt) ebenfalls mit 20%, ein Kinderchor (der wöchentlich mindestens 45 Minuten probt) mit 10% und sechs kirchenmu­sikalische Veranstaltungen (darunter mindes­tens drei eigene) ebenfalls mit 10% bewertet werden.

Solche teilzeitbeschäftigten Kirchenmusiker sind gezwungen, ihren Lebensunterhalt auch noch andernorts zu verdienen: in der Schule, in der Jugendmusikschule, durch Privatunterricht oder berufsfremd. Darum müssen die Dienst­aufträge der teilzeitbeschäftigten Mitarbeiter so gestaltet sein, dass sie den anderen Tätig­keiten auch nachgehen können. Ein 60%iger Dienstauftrag sollte sich also z.B. auf vier Arbeitstage konzentrieren.

Rechte und Pflichten der Kirchenmusiker sind festgelegt in