Halbvers oder Ganzvers?

Zur Praxis des Psalmgebets im württembergischen Predigtgottesdienst

von Pfr. Prof. Bernhard Leube

Das Psalmgebet im Eingangsteil unseres Predigtgottesdienstes hat gut 15 Jahre, nachdem es den Gemeinden zur Einführung empfohlen wurde, einen unstrittigen Platz in der württembergischen Liturgie. Was mit dem Vorentwurf der Erneuerten Agende von 1990 für viele andere Landeskirchen eine echte Neuerung bedeutet, ist in Württemberg seit 1983 weithin üblich. Die Empfehlung der Synode an die Gemeinden, das Psalmgebet im Gottesdienst einzuführen, war damals sicherlich auch katechetisch-pädagogisch motiviert, um den Psalter wieder stärker in den Herzen der Gemeinden zu verankern. Der traditionelle liturgische Ort des Psalters im Stundengebet ist ja den meisten unerreichbar. Die Gemeinden griffen die Empfehlung auf, als hätten sie nur darauf gewartet, das Psalmgebet im sonntäglichen Gemeindegottesdienst ist unzweifelhaft eine Bereicherung und Intensivierung unseres gemeinsamen Betens. Außerdem wurde damit eine dezidiert dialogische Sprachform gewonnen – in der württembergischen Liturgie, der die Messe bis heute fremd ist, durchaus ungewöhnlich. Allerdings haben wir beim Psalmgebet bis heute keine einheitliche Praxis. Wohl die meisten württembergischen Gemeinden wechseln in halben Versen. Im Evangelischen Gesangbuch, Ausgabe Württemberg steht bei der Einführung in das gemeinsame Beten der Psalmen S. 1277, dass der halbversweise Wechsel zu der responsorialen Weise gehöre, der ganzversweise Wechsel hingegen zur antiphonalen Weise des Psalmgebets. Das hat sich zwar so eingebürgert, kann als Regelangabe aber nicht bestehen.

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Wie sicher ist das Amen in der Kirche?

von Pfr. Prof. Bernhard Leube

Dass in der Kirche das Amen vorkommt, ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Dass es meistens der Pfarrer oder die Pfarrerin sagt, ist üblich. Dass es irgendwie den Sinn einer Bestätigung hat, ist leidlich klar. Aber kaum im Bewusstsein ist, dass das Amen in der Kirche als Antwort zu einem dialogischen Akt gehört. Weil unsere württembergischen Gottesdienste eher monologische Struktur haben, sind unsere Gemeinden es aber nicht gewohnt, ihren Part im liturgischen Dialog zu spielen. Von zwei Ausnahmen abgesehen, gibt die Gemeinde das Amen in Württemberg nicht. Wir Liturginnen und Liturgen sagen es deshalb vorsichtshalber selbst. Sogar unser Kirchenbuch I legt das Amen ständig dem Liturgen in den Mund. Seiner kommunikativen Funktion nach ist bei uns also das Amen in der Kirche völlig unsicher.

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Glosse zur liturgischen Ansage

von Pfr. Prof. Bernhard Leube

„Nachdem uns die Orgel so schön eingestimmt hat, begrüße Sie recht herzlich zu unserem Gottesdienst, den wir im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes feiern." An kaum einer liturgischen Gattung kommt das Gottesdienstverständnis derer, die eine Liturgie leiten, so klar und unverstellt zum Ausdruck, wie bei den unzähligen Einleitungen und Zwischenbemerkungen, die wir Pfarrerinnen und Pfarrer im Laufe eines Gottesdienstes machen.

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